Anna Netrebkos umstrittene Rückkehr an die Berliner Staatsoper entzweit Publikum und Protestler
Marliese MülichenAnna Netrebkos umstrittene Rückkehr an die Berliner Staatsoper entzweit Publikum und Protestler
Premiere an der Berliner Staatsoper: Anna Netrebko kehrt als Amelia in Un ballo in maschera zurück
An der Berliner Staatsoper hat eine Neuinszenierung von Giuseppe Verdis Un ballo in maschera Premiere gefeiert, mit der Sopranistin Anna Netrebko in der Hauptrolle der Amelia. Die fast dreistündige Aufführung erntete starken Applaus des Publikums – doch die Rückkehr der Sängerin auf die deutsche Bühne bleibt umstritten.
Vor dem Opernhaus versammelten sich etwa 50 Demonstranten mit ukrainischen Fahnen und skandierten Parolen gegen Netrebkos Auftritt. Die Produktion markiert ihr erstes Gastspiel an der Staatsoper seit Februar 2022, kurz vor Russlands Angriff auf die Ukraine. Damals hatte sie sich nach massiver Kritik wegen ihrer mutmaßlichen Nähe zu Präsident Wladimir Putin – darunter eine Geburtstagsfeier 2021 im Moskauer Kreml – von der Bühne zurückgezogen. Es folgten Absagen, Klagen und Boykotte, bis ein Berliner Gerichtsurteil 2025 schließlich ihren Weg für die Rückkehr ebnete.
Regisseur Rafael R. Villalobos brachte eine moderne Deutung von Verdis Oper auf die Bühne, die Elemente der queeren Ballroom-Kultur und der AIDS-Krise aufgriff. Doch trotz des künstlerischen Ansatzes wurde der Abend von den Protesten überschattet. Vor dem Gebäude riefen Demonstranten "Keine Bühne für Putin-Unterstützer!" und "Russland ist ein Terrorstaat!".
Im Saal hingegen erhielt Netrebko begeisterten Beifall für ihre Darstellung. Auch die Musiker und Sänger wurden langanhaltend für ihre Leistung gefeiert – während draußen die Debatte über Kunst und Politik weiterging.
Netrebkos Rückkehr an die Staatsoper entfacht die Diskussion neu, ob Künstler von politischen Kontroversen zu trennen sind. Künstlerisch wurde die Aufführung gelobt, doch die Proteste zeigten, wie tief die Gräben noch sind. Das Gerichtsurteil, das ihr Comeback ermöglichte, hat die Debatte über ihren Platz auf deutschen Bühnen nicht beendet.






