24 April 2026, 06:09

Von "Trottel" zu "Nazischlampe": Wie sich Beleidigungen und ihre Folgen wandeln

Cartoon-Gesichter zeigen Frustration mit dem Text "Das ist einige harte germanische Scheiße, in die du dich da reingeritten hast."

Von "Trottel" zu "Nazischlampe": Wie sich Beleidigungen und ihre Folgen wandeln

Beleidigungen haben sich im Laufe der Zeit gewandelt – viele veraltete Schimpfwörter haben ihre Schärfe verloren. Ausdrücke wie "Du Trottel!" oder "Schurke!" wirken heute fast harmlos. Doch moderne Beleidigungen – besonders solche, die Tiere oder Politiker einbeziehen – können nach wie vor vor Gericht landen.

In Deutschland führt es zwar nicht zu Strafanzeigen, wenn man jemanden als "Du Orban!" oder "Du blöder Trump!" beschimpft. Dieselben Sätze könnten in den USA oder Ungarn jedoch rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Wer hingegen Menschen mit Tieren vergleicht – ob Affe, Kuh oder sogar Qualle –, riskiert empörte Reaktionen. Solche Beleidigungen können nicht nur wegen übler Nachrede verklagt werden, sondern auch Proteste von Tierschutzorganisationen wie PETA provozieren.

Erst kürzlich verurteilte ein deutsches Gericht eine Person zu 1.200 Euro Strafe, weil sie eine AfD-Politikerin als "Nazischlampe" bezeichnet hatte. Selbst die Etikettierung als "SPD-Anhänger" kann Bußgelder von bis zu 2.500 Euro nach sich ziehen. Angesichts dieser rechtlichen Fallstricke werden viele kreativ.

Roger "Flaming" Reisertsch, Jurist und Sprachwissenschaftler mit Schwerpunkt auf Beleidigungsforschung (Malediktologie), hilft Menschen, Klage zu vermeiden. Seine Strategie? Tiervergleiche durch politikerbezogene Schimpfwörter oder sogar Gemüsesorten ersetzen. In seinem Buch listet er über tausend neu geprägte, politikinspirierte Beleidigungen auf – abrufbar unter www.gibmirkeinetiernamen.de. Wer auf Nummer sicher gehen will, dem rät er zu Begriffen wie "Porree" – ein Gemüse, das bisher noch keine juristischen Konsequenzen ausgelöst hat.

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Die Regeln, was als Beleidigung gilt, bleiben in Bewegung, wobei Tiervergleiche und politische Sticheleien die größten Risiken bergen. Reisertschs Arbeit zeigt, wie sich Menschen anpassen und mit neuen Begriffen Strafen umgehen. Vorerst scheint Gemüse die sicherste Möglichkeit zu sein, um Dampf abzulassen – zumindest in Deutschland.

Quelle