Russlands Verbot des Balletts Nurejew – ein Angriff auf künstlerische Freiheit
Jovan JohannRusslands Verbot des Balletts Nurejew – ein Angriff auf künstlerische Freiheit
Das Ballett Nurejew, einst am Moskauer Bolschoi-Theater gefeiert, ist in Russland nun verboten. Die 2017 vom Choreografen Juri Possochow und dem Regisseur Kirill Serebrennikow geschaffene Produktion erzählte das Leben des legendären Tänzers Rudolf Nurejew – von seinen sowjetischen Wurzeln über seine Flucht bis zu seinen späteren Jahren in Paris. Das 2023 verhängte Verbot geht auf die offene Darstellung von LGBTQ+-Themen im Ballett zurück, die mit Russlands strengen Zensurgesetzen kollidieren.
Rudolf Nurejew wurde 1938 als Sohn baschkirisch-tatarischer Eltern während einer Reise auf der Transsibirischen Eisenbahn in der Nähe des Baikalsees geboren. Seine außergewöhnliche Karriere führte ihn von der Waganowa-Ballettakademie in Leningrad zu weltweitem Ruhm, nachdem er 1961 spektakulär nach Frankreich geflohen war. Später ließ er sich in Paris nieder, wo er 1993 an den Folgen von Aids starb.
Das Ballett Nurejew brachte seine Lebensgeschichte mit einer opulenten Bühne voller symbolträchtiger Objekte zur Aufführung: männliche Akte alter Meister, Thonet-Stühle, Sofas von Maria Callas und sogar Nachbildungen seiner italienischen Insel. Der erste Akt wurde für seine emotionale Intensität gelobt, wenn auch einige Kritiker einen Schwungverlust im zweiten Akt bemängelten. Das Finale zeigte Nurejew in einem weißen Turban, der die letzten Momente seines Lebens dirigiert, bevor das Licht in Dunkelheit überging.
Die Uraufführung 2017 am Bolschoi war von Anfang an umstritten. Regisseur Kirill Serebrennikow, der bereits unter Hausarrest wegen Veruntreuungsvorwürfen stand, konnte nicht teilnehmen. Später floh er nach Berlin, nachdem er verurteilt worden war. Der Choreograf Juri Possochow, ein in der ukrainischen Stadt Luhansk geborener US-Bürger, arbeitete trotz des russischen Überfalls auf seine Heimat 2022 weiterhin in Russland.
Zunächst fand das Ballett trotz der offenen Darstellung von Nurejews Homosexualität Anerkennung. Doch als sich das politische Klima in Russland verschärfte, wurden die LGBTQ+-Themen zunehmend unhaltbar. 2023 strichen die Behörden Nurejew endgültig vom Spielplan des Bolschoi-Theaters – mit der Begründung, es verstoße gegen Gesetze zur "Propaganda nicht-traditioneller sexueller Beziehungen".
Das Verbot von Nurejew spiegelt die wachsende Unterdrückung künstlerischer Freiheit in Russland wider, insbesondere bei queeren Themen. Was einst als Hommage an eine der größten Ballettlegenden gefeiert wurde, steht heute symbolisch für die zunehmenden Einschränkungen in der russischen Kulturlandschaft. Seine Absetzung von der Bühne markiert das Ende einer Ära für offen LGBTQ+-geprägtes Erzählgut im russischen Klassiktanz.






