Peter Weiss' "Die Ermittlung" kehrt 60 Jahre später auf die Bühne zurück
Abraham HermighausenPeter Weiss' "Die Ermittlung" kehrt 60 Jahre später auf die Bühne zurück
Sechzig Jahre nach seiner Uraufführung wurde Peter Weiss' Dokumentarstück Die Ermittlung im Stuttgarter Landtag aufgeführt. Die Inszenierung basiert direkt auf den Frankfurter Auschwitz-Prozessen, die zwischen 1963 und 1965 stattfanden. Anhand von Zeugenaussagen und Überlebendenberichten legt das Stück das unvorstellbare Grauen des Holocaust offen.
Die Bühnenfassung verzichtet auf theatralische Effekte und setzt stattdessen auf die schlichte Kraft des gesprochenen Wortes, um das Publikum mit der historischen Wahrheit zu konfrontieren. Die minimalistische Regie streift alle spektakulären Elemente ab und lässt allein die erschütternden Zeugnisse im Mittelpunkt stehen. Die Schauspieler wechseln die Rollen, verwischen so die Grenzen zwischen Tätern und Opfern und unterstreichen damit die moralische Ambivalenz jener Zeit. Einige Figuren – wie deportierte Ärzte, die zur Selektion gezwungen wurden – verkörpern diese beunruhigende Doppeldeutigkeit.
Eine über der Bühne platzierte Schreibmaschine dient sowohl als Symbol als auch als Aufzeichnungsgerät – eine Mahnung, dass diese Gräueltaten niemals in Vergessenheit geraten dürfen. Der Text schildert Schrecken wie das Ermorden eines Kindes, das gegen eine Wand geschleudert wurde, oder schwangere Frauen, denen eine zementartige Substanz injiziert wurde. Zu den Folterinstrumenten zählt auch die "Sprechmaschine", ein von Wilhelm Friedrich Boger verwendetes Gerät, mit dem Opfer zu Tode geprügelt wurden.
Um die Botschaft des Stücks zu verstärken, wird Die Ermittlung an mehreren Orten aufgeführt, darunter am Landgericht Stuttgart am 11. und 12. Oktober, 7., 8. und 9. November sowie am 9. Dezember. Durch die Aufführungen in Räumen der Justiz sollen die Zuschauer zur aktiven Auseinandersetzung mit den dunkelsten Kapiteln der Geschichte angeregt werden.
Die Neuinszenierung von Die Ermittlung zwingt das Publikum, sich mit den brutalen Realitäten der Auschwitz-Prozesse auseinanderzusetzen. Durch schroffe Erzählweise und bewusste Inszenierung sorgt das Stück dafür, dass die Stimmen der Zeugen und Überlebenden weiter gehört werden. Die Vorstellungen finden in Gerichten und öffentlichen Räumen statt – eine eindringliche Erinnerung an die Pflicht des Gedenkens.






