Cybergrooming unter Jugendlichen: Warum die Zahlen dramatisch steigen und Schulen alarmiert sind
Marliese MülichenCybergrooming unter Jugendlichen: Warum die Zahlen dramatisch steigen und Schulen alarmiert sind
Digitale sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen nimmt in Deutschland stark zu
Eine aktuelle Pilotstudie in Thüringen sollte das Problem angehen, nachdem Berichte zeigten, dass fast ein Viertel der Minderjährigen 2025 von Cybergrooming betroffen war. Lehrkräfte erkennen die Gefahr, fühlen sich aber oft überfordert.
In den letzten fünf Jahren haben sich die Fälle von Cybergrooming – bei dem Täter Kinder im Netz gezielt ansprechen, um sie später zu missbrauchen – dramatisch erhöht. Polizeistatistiken aus dem Jahr 2020 ergaben, dass 89 Prozent der Opfer 13 Jahre oder jünger waren. Doch die Gefahr geht nicht nur von Fremden aus: Viele Übergriffe passieren in Freundeskreisen oder Schulchats, oft aus Naivität oder Gruppendruck.
Ein dreijähriges Pilotprojekt in Thüringen, finanziert vom Landesjugendamt, erreichte rund 5.000 Schülerinnen und Schüler. Yasmina Ramdani leitete Workshops für Fünft- bis Achtklässler und nutzte Methoden wie Bingokarten, um über digitale Gewalt aufzuklären und Begriffe zu erklären. Das Projekt war bundesweit das erste dieser Art – sowohl in Umfang als auch in der Herangehensweise.
Fachleute betonen, dass Prävention nur mit einem gesamtgesellschaftlichen Ansatz gelingen kann. Eltern werden aufgefordert, ihr eigenes digitales Verhalten zu reflektieren und klare Regeln mit ihren Kindern zu vereinbaren. Gleichzeitig stehen Tech-Konzerne und Politiker in der Pflicht, strengere Schutzmaßnahmen zu ergreifen und in Prävention zu investieren.
Die öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema wuchs durch prominente Fälle wie die Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann, Christian Ulmen, wegen digitaler Gewalt. Mittlerweile gilt das Problem als flächendeckend: Eine Bundesstudie von 2023 ergab, dass fast die Hälfte der Jugendlichen bereits sexualisierte Gewalt im Netz erlebt hat.
Das Thüringer Pilotprojekt zeigte, wie dringend strukturierte Aufklärung über digitale Risiken ist. Schulen, Eltern und Behörden müssen zusammenarbeiten, um die wachsende Bedrohung einzudämmen. Ohne breite gesellschaftliche Anstrengungen, warnen Expertinnen und Experten, wird sich die Lage weiter verschärfen.






