Wehrpflicht kehrt zurück: Warum junge Männer jetzt zahlen müssen – oder protestieren
Hellmut RudolphWehrpflicht kehrt zurück: Warum junge Männer jetzt zahlen müssen – oder protestieren
Seit Jahresbeginn müssen alle jungen Männer, die 2008 oder später geboren wurden, einen Fragebogen zur militärischen Erfassung ausfüllen. Bis Anfang Mai hatte etwa ein Viertel dies noch nicht getan – und riskiert damit Bußgelder. Die Pflicht ist Teil des wiederbelebten Wehrpflichtsystems in Deutschland, das unter Politikern und in der Öffentlichkeit für Debatten sorgt.
Die Bundeswehr zählt derzeit knapp 186.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. Damit wird das im Wehrpflichtgesetz für 2026 festgelegte Mindestziel erreicht. Allerdings wird der sogenannte „Eierkornrollgriff“, ein Basistauglichkeitstest, zunächst nur bei Freiwilligen angewendet – die Kapazitäten für eine flächendeckende Durchführung sind begrenzt.
Schärfste Kritik kommt von der Linken. Heidi Reichinnek, Vorsitzende der Bundestagsfraktion, rief zum Widerstand gegen die Erfassung auf. Auf einem Festival gegen die Wehrpflicht, an dem vor allem junge Menschen teilnahmen – die meisten freiwillig –, fragte sie die Menge: „Nein zum Militärdienst, nein zur Militarisierung und nein zu einer Regierung, die Entscheidungen gegen euch und ohne euch trifft!“ Der 24-jährige Teilnehmer Justin Klemm argumentierte, die Mittel sollten stattdessen in soziale Programme fließen.
Desirée Becker, Mitglied des Verteidigungsausschusses für die Linke, wies die Behauptung zurück, die Wehrpflicht werde die Zahl der aktiven Bundeswehrsoldaten erhöhen. Daniel Lücking, Politikberater der Linken und ehemaliger Soldat, war zuvor in Afghanistan im Einsatz, wo er für die Bundeswehr Propaganda erstellte.
Die neuen Wehrpflichtregeln stoßen auf sowohl Akzeptanz als auch Widerstand. Da noch immer viele junge Männer der Meldepflicht nicht nachgekommen sind, könnte die Regierung Bußgelder verhängen. Unterdessen setzen sich Gegner weiterhin gegen die Politik zur Wehr und fordern eine Umverteilung der Militärausgaben.






