Warum deutsche Städte weltweit als hässlich gelten – und was jetzt passiert
Abraham HermighausenWarum deutsche Städte weltweit als hässlich gelten – und was jetzt passiert
Deutsche Städte stehen seit langem in der Kritik – wegen mangelnder Schönheit. Sowohl im In- als auch im Ausland gelten sie vielen Beobachtern als unattraktiv im Vergleich zu internationalen Metropolen. Die Debatte hat sogar die politische Bühne erreicht, wo sich Persönlichkeiten wie Friedrich Merz zu dem Thema äußern.
Die Kritik richtet sich dabei nicht nur gegen das allgemeine Stadtbild, sondern auch gegen konkrete Bauprojekte und Wahrzeichen. So wird etwa das neu eröffnete Teilstück der Berliner Stadtautobahn A100 als "Schandfleck" gescholten – und sorgt obendrein für Verkehrschaos. Auch andere Bauwerke wie der Hannoversche Fernsehturm oder das Siegen Arcaden-Einkaufszentrum ziehen negative Aufmerksamkeit auf sich. Selbst ganze Stadtlandschaften, von Ludwigshafen bis München, werden oft ungünstig mit Städten wie Florenz oder Barcelona verglichen.
Friedrich Merz löste einst eine Kontroverse aus, als er städtische Ästhetik mit politischen Entscheidungen verknüpfte. Er deutete an, der damalige Bundesinnenminister beschäftige sich lieber mit Abschiebungen, weil deutsche Städte in einem so desolaten Zustand seien. Seine Äußerungen heizten die ohnehin schwelende Debatte an, ob Deutschlands urbane Räume ein Versagen von Kultur oder Politik widerspiegeln.
Doch statt die Mängel zu vertuschen, plädieren manche für einen ganz anderen Umgang damit. Andreas Koristka, Redakteur des Satiremagazins Eulenspiegel, schreibt für nd.DieWoche die Kolumne Betreutes Lesen – und schlägt darin vor, die deutschen städtischen Unzulänglichkeiten einfach zu umarmen. Seine Idee: eine globale Werbekampagne, die die berüchtigt hässlichen Städte des Landes als einzigartiges Verkaufsargument feiert.
Die Diskussion um Deutschlands Stadtbilder reißt nicht ab. Während die einen Teile der Städte als menschengemachte Katastrophen brandmarken, sehen andere Potenzial darin, sie neu zu vermarkten. Ob mit Satire oder ernsthafter Debatte – die Auseinandersetzung offenbart eine besondere Facette moderner deutscher Identität. Die nächsten Schritte könnten entweder in einer Neugestaltung dieser Räume bestehen – oder darin, ihren Ruf einfach zu akzeptieren.






