Supermarkt in Mosbach testet Arztbesuche während des Einkaufs
Abraham HermighausenSupermarkt testet Arzttermine zwischen Käse und Kasse - Supermarkt in Mosbach testet Arztbesuche während des Einkaufs
Supermarkt in Mosbach bietet ärztliche Sprechstunden an
In einem Supermarkt in Mosbach, im nördlichen Württemberg, können Kunden seit Kurzem während ihres Einkaufs einen Arzt aufsuchen. Das Pilotprojekt ermöglicht es, in einer schalldichten Kabine medizinisch beraten zu werden – eine Reaktion auf den wachsenden Mangel an Hausärzten. Mit über 5.000 unbesetzten Stellen für Allgemeinmediziner bundesweit haben sich lange Wartezeiten und geschlossene Patientenlisten längst zur Normalität entwickelt.
Die Praxis fungiert als Außenstelle des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) in Neckarsulm. Der Handelsriese Schwarz Gruppe stellt die Räumlichkeiten und Ausstattung bereit, während die Sana Kliniken die medizinische Betreuung übernehmen. Vor Ort können Patienten Videokonsultationen buchen und so leichter Zugang zu grundlegender Versorgung erhalten.
Das Modell ersetzt zwar keine umfassende persönliche Behandlung bei schweren Erkrankungen, dient aber als erste Anlaufstelle bei kleineren Beschwerden oder für eine Erstberatung. Der Hausärzteverband Baden-Württemberg begrüßt die Initiative und sieht darin eine sinnvolle Ergänzung in Regionen mit dünner ärztlicher Versorgung.
Ärztemangel in Deutschland verschärft sich Die Situation ist dramatisch: Allein in Baden-Württemberg fehlen rund 1.000 Hausärzte, und zwei Drittel der derzeit praktizierenden Allgemeinmediziner sind älter als 60 Jahre. Viele Praxen nehmen keine neuen Patienten mehr auf, sodass Betroffene nach Alternativen suchen müssen.
Auch andere Handelsketten drängen zunehmend in den Gesundheitsmarkt: Lidl und Rossmann planen den Verkauf rezeptfreier Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel und Gesundheitsprodukte. Die Drogeriekette dm wird zudem apothekenpflichtige, aber nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel über eine tschechische Tochter anfieten. Einige Drogerien bieten bereits Gesundheitschecks an, um die Ärzte zu entlasten.
Trotz des Bedarfs gibt es seit dem Start in Mosbach keine Ankündigungen für weitere Supermarkt-Praxen. Das Projekt bleibt vorerst einzigartig in Deutschland.
Teillösung mit begrenzter Reichweite Das Mosbacher Modell bietet einen Ansatz, um den Hausärztemangel zu lindern: Durch die Integration medizinischer Beratung in den Supermarkt erhalten Patienten schneller Hilfe bei leichteren Anliegen. Doch da das Konzept bisher nicht über den Standort hinaus ausgewitet wurde, bleiben die grundsätzlichen Versorgungsprobleme ungelöst.






