Rezeptabwicklung in Pflegeheimen: Bundesregierung plant digitale Revolution bis 2029
Jovan JohannRezeptabwicklung in Pflegeheimen: Bundesregierung plant digitale Revolution bis 2029
Ein neuer Gesetzentwurf der Bundesregierung könnte die Abwicklung von Rezepten für Bewohner von Pflegeheimen in Deutschland grundlegend ändern. Der Entwurf des Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetzes (ApoVWG) sieht vor, dass Ärzte Rezepte künftig direkt an Apotheken übermitteln können – ohne dass sie manuell eingesammelt und ausgeliefert werden müssen. Diese Neuregelung ist Teil eines umfassenderen Reformvorhabens.
Aktuell wenden Pflegeheime erhebliche Zeit und Ressourcen auf, um Rezepte an Apotheken weiterzuleiten. Bei rund 880.000 Heimbewohnern in Deutschland, von denen 90 Prozent über Versorgungsverträge abgedeckt sind, entstehen durch die Übermittlung von E-Rezepten jährlich geschätzte Kosten in Höhe von 8,834 Millionen Euro. Das neue System soll diesen Aufwand verringern, indem Ärzte Rezepte direkt an die beliefernde Apotheke senden können.
Allerdings bringt die Umstellung für Arztpraxen zusätzlichen Arbeitsaufwand mit sich: Pro Rezept wird etwa eine halbe Minute mehr für die Prüfung und den elektronischen Versand benötigt. Das Gesundheitsministerium schätzt, dass dadurch zusätzliche Personalkosten in Höhe von 9,7 Millionen Euro entstehen. Technische Vorkehrungen sollen sicherstellen, dass Pflegeheime weiterhin über ausgestellte Rezepte informiert werden – sofern der Bewohner nicht widerspricht.
Die Regelung ist als Übergangslösung gedacht, bis Pflegeheime bis zum 1. Januar 2029 vollständig in das System integriert sind. Zwar könnten die Heime durch den Wegfall der Rezeptabwicklung rund 5 Millionen Euro einsparen, doch würde die Gesamtbelastung des Systems um 4,7 Millionen Euro steigen.
Die Maßnahme würde zwar den Umgang mit Rezepten in Pflegeheimen vereinfachen, verlagert die Kosten jedoch an andere Stellen: Arztpraxen hätten mehr Verwaltungsaufwand, und insgesamt stiegen die Ausgaben netto um 4,7 Millionen Euro. Die Änderung soll bis zur vollständigen Integration im Jahr 2029 in Kraft bleiben.
