Pistorius bekräftigt deutsch-französische Verteidigungskooperation trotz FCAS-Rückschlag
Marliese MülichenPistorius bekräftigt deutsch-französische Verteidigungskooperation trotz FCAS-Rückschlag
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat trotz jüngster Rückschläge seine Verpflichtung zur deutsch-französischen Zusammenarbeit bekräftigt. Gleichzeitig äußerte er sich zu wachsenden Bedenken hinsichtlich der militärischen Aufrüstung, Personalengpässen und steigenden Verteidigungskosten. Die Regierung beobachtet diese Entwicklungen genau und lotet neue Strategien für die Rekrutierung sowie die Zusammenarbeit mit der Industrie aus.
Pistorius betonte kürzlich die Bedeutung enger Bindungen zu Frankreich – besonders vor dem Hintergrund des gescheiterten FCAS-Kampfjetprogramms, eines gemeinsamen Vorhabens beider Länder. Die Partnerschaft mit Frankreich bezeichnete er als zentrale Priorität für künftige Sicherheits- und Verteidigungspolitik.
Der Minister verwies zudem auf den Wandel moderner Kriegsführung: Militärische Stärke hänge heute maßgeblich von fortschrittlicher Technologie und dem großflächigen Einsatz kostengünstiger Drohnen ab. Eine Anpassung an diese neuen Realitäten sei unverzichtbar.
Beim Thema Personalgewinnung schloss Pistorius eine Rückkehr zur allgemeinen Wehrpflicht aus. Der Grundsatz der Freiwilligkeit bleibe in den kommenden Jahren Basis des Militärdienstes. Sollten Engpässe bestehen bleiben, könnten gezielte Maßnahmen ergriffen werden – eine selektive Dienstverpflichtung stehe jedoch nicht zur Debatte.
Auch die explodierenden Kosten sorgen für Aufsehen: Eine interne Prüfung ergab, dass das Fregatten-Projekt F126 für die Marine mittlerweile über 18 Milliarden Euro verschlingt – acht Milliarden mehr als ursprünglich veranschlagt. Pistorius setzt darauf, das Know-how der Automobilindustrie stärker zu nutzen, um die Effizienz in der Rüstungsproduktion zu steigern.
Um Lieferketten zu stabilisieren, wurde ein Runden Tisch eingerichtet, an dem verschiedene Branchen zusammenarbeiten, um Ideen für sichere und widerstandsfähige Systeme auszutauschen.
Die Regierung wird das militärische Wachstum und die Industriekosten weiter im Blick behalten. Pistorius machte deutlich, dass eine Wiedereinführung der Wehrpflicht nicht infrage komme, andere Anpassungen jedoch möglich seien. Im Fokus stehen weiterhin der freiwillige Dienst, technologischer Fortschritt und die internationale Zusammenarbeit.
