"Komische Vögel" am TD Berlin: Surreale Gesellschaftskritik mit Federn und Tiefgang
Abraham Hermighausen"Komische Vögel" am TD Berlin: Surreale Gesellschaftskritik mit Federn und Tiefgang
"Komische Vögel" – Ein surrealer Blick auf Gesellschaft und Geschichte am TD Berlin
Am TD Berlin hat mit Komische Vögel ein neues Stück Premiere gefeiert, in dem Vanessa Stern, Verena Unbehaun und Mira Partecke die Hauptrollen übernehmen. Die Inszenierung verbindet scharfen Dialog mit surrealen Bildern und nutzt die Ornithologie als Metapher, um Gesellschaft und Geschichte zu beleuchten.
Die Bühne ist bestückt mit überdimensionalen Pantoffeln in Form von Vogelkrallen und ausgeklappten Leitern – von Beginn an herrscht eine Atmosphäre zwischen Witz und Absurdität. Die drei Schauspielerinnen verkörpern überzeichnete Figuren: Partecke spielt die Naive, Unbehaun die abgebrühte Darstellerin und Stern übernimmt eine Führungsrolle. Ihre Kostüme unterstreichen das Thema: Partecke trägt einen Hühnchen-Kopfschmuck, Unbehaun steckt in einem schwarz-weißen Tüpfel-Overall, und Stern ist in ein grünes Tarnnetz gehüllt.
Ein prägnanter Moment: Unbehaun liest aus den Aufzeichnungen von Günther Niethammer, einem SS-Offizier und Ornithologen, der in Auschwitz tätig war. Das Stück verwebt Vogelbeobachtung, historische Bezüge und pointierte Gesellschaftskritik – darunter auch eine subtile Abrechnung mit den geplanten Kürzungen im Berliner Kulturhaushalt für 2026/2027, die sich im Bühnenbild widerspiegeln.
Konventionelles Erzähltheater sucht man hier vergeblich. Stattdessen bietet Komische Vögel eine fragmentarische, satirische Auseinandersetzung mit Besessenheit – sei es von Vögeln, Macht oder Performance. Die Inszenierung hinterfragt, warum Menschen auf Bühnen stehen, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne, und balanciert dabei zwischen verspielt und beunruhigend.
Noch drei Vorstellungen sind geplant: am 21., 22. und 23. November im TD Berlin. Das Stück hinterlässt beim Publikum eine Mischung aus Lachen und Unbehagen und nutzt die Absurdität, um reale Probleme zu spiegeln. Indem es Ornithologie mit düsteren historischen und politischen Themen verknüpft, fordert es die Zuschauer auf, hinter die Oberflächen von Natur und Kultur zu blicken. Karten für die restlichen Aufführungen sind über die Website des Theaters erhältlich.






