05 April 2026, 02:10

KI als Werkzeug der Macht: Ethiker warnt vor Transhumanismus und Datenskandalen bei Meta

Buntes Design mit den Wörtern "KI, Apps, IoT" auf einem weißen Hintergrund.

KI als Werkzeug der Macht: Ethiker warnt vor Transhumanismus und Datenskandalen bei Meta

Philosoph und Ethiker Rainer Mühlhoff hat schwerwiegende Bedenken zu den ideologischen und ethischen Risiken Künstlicher Intelligenz (KI) geäußert. Auf der KI-Woche des Landesbeauftragten für Datenschutz in Baden-Württemberg stellte er die Vorstellung infrage, KI sei ein neutrales Werkzeug. Stattdessen warnte er, ihre Entwicklung werde maßgeblich von Strömungen wie dem Transhumanismus und dem Longtermism geprägt – Bewegungen, die seiner Ansicht nach eugenische und elitäre Untertöne tragen.

Unterdessen laufen die juristischen Auseinandersetzungen um die Datenschutzpraktiken von KI weiter. Eine Verbraucherschutzorganisation hat den Tech-Konzern Meta wegen des Vorwurfs illegaler Datensammlung verklagt, während eine separate Klage gegen die KI-Trainingsmethoden des Unternehmens aus Mangel an technischem Verständnis in der Justiz abgewiesen wurde.

Mühlhoff argumentierte, KI sei kein passives Instrument, sondern forme aktiv ihre Anwendung. Er bezeichnete sie als "vom Menschen unterstützte KI" und betonte, dass menschliche Eingaben nach wie vor zentral für ihre Funktionsweise seien. Seine Kritik richtete sich auch gegen die ideologischen Wurzeln der KI-Entwicklung, die er mit dem Transhumanismus und dem Longtermism verknüpfte – Strömungen, die seiner Meinung nach undemokratisches und eugenisches Gedankengut förderten.

Die ethischen Bedenken gehen jedoch über ideologische Fragen hinaus. Mühlhoff wies darauf hin, dass große KI-Systeme wie ChatGPT auf riesigen Datensätzen basieren, die oft persönliche Informationen enthalten. Dies wirft Fragen zum Datenschutz auf, insbesondere wenn KI unbekannte Details über Einzelpersonen vorhersagen kann. Er schlug strengere Kontrollen vor und regte an, das Prinzip der Zweckbindung – bereits bei der Datenerhebung angewandt – auch auf trainierte KI-Modelle auszuweiten, um Missbrauch in nicht verwandten Bereichen zu verhindern.

Auch die Rolle von KI in Politik und Propaganda stand in der Kritik. Mühlhoff warnte, solche Systeme ermöglichten neue Formen von Desinformation und symbolischer Gewalt, die bestehende Machtungleichgewichte verstärkten. Seine Äußerungen folgten Enthüllungen, wonach selbst Kinder und Jugendliche von KI-Datentrainings betroffen sind – trotz gegenteiliger Beteuerungen von Unternehmen wie Meta, ihre Systeme würden Minderjährige ausschließen.

Rechtliche Schritte sind bereits eingeleitet. Der Verbraucherschutzverein (VSV) reichte eine Daten­sammelklage gegen Meta ein und wirft dem Konzern vor, Nutzerdaten illegal von Drittseiten wie spiegel.de, Online-Apotheken und Dating-Plattformen abgegriffen zu haben. Die Klage fordert 10.000 Euro Entschädigung für Minderjährige und 5.000 Euro für Erwachsene; einige Gerichte haben bereits bis zu 3.000 Euro an 19 betroffene Nutzer zugesprochen. Unabhängig davon klagte die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen gegen Meta wegen dessen KI-Trainingsmethoden – verlor den Prozess jedoch, nachdem die Richter einräumten, ihnen fehle das technische Fachwissen zur Bewertung der Vorwürfe.

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Die Ergebnisse dieser Rechtsstreitigkeiten könnten wegweisend für die Regulierung von KI-Systemen sein – und dafür, wie weit Unternehmen bei der Erhebung und Nutzung persönlicher Daten gehen dürfen.

Mühlhoffs Warnungen verweisen auf tiefgreifendere ethische und rechtliche Herausforderungen, während KI immer stärker in die Gesellschaft eindringt. Gerichte kämpfen damit, mit der technischen Komplexität der Systeme Schritt zu halten, während Verbraucherschützer mehr Verantwortung einfordern. Die Debatte über Datenschutz, ideologische Einflüsse und die Rolle von KI bei der Gestaltung von Machtstrukturen ist noch lange nicht abgeschlossen. Künftige Urteile und regulatorische Entscheidungen werden bestimmen, wie diese Systeme kontrolliert werden – und wer für ihren Missbrauch zur Rechenschaft gezogen wird.

Quelle