Kernenergie-Boom in Europa: Warum Versicherer bei SMR-Reaktoren noch zögern
Jovan JohannKernenergie-Boom in Europa: Warum Versicherer bei SMR-Reaktoren noch zögern
Kernenergie gewinnt in Europa an Fahrt – besonders in Frankreich und Großbritannien
Der Aufschwung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem große Technologieunternehmen in kleine modulare Reaktoren (SMR) investieren, um eine stabile, kohlenstoffarme Energieversorgung für Rechenzentren zu sichern. Doch die Versicherungsbranche steht vor Herausforderungen, diese neuen Projekte abzudecken – vor allem wegen Lücken im Risikomanagement und bei der Haftungsabsicherung.
Aktuell stammen rund 15 Prozent des Energiebedarfs von Rechenzentren aus Kernkraft. Bis 2030–2040 könnte dieser Anteil auf 15 bis 20 Prozent steigen, da die Nachfrage nach zuverlässiger Stromversorgung wächst. Tech-Konzerne setzen zunehmend auf SMR, um diesen Bedarf zu decken. Doch die Versicherer haben noch keine passenden Produkte entwickelt – weder für den Transport dieser Reaktoren noch für die Klärung von Haftungsfragen zwischen Bauherren, Spediteuren, Grundbesitzern und Betreibern.
Jimmy Keime, Leiter Engineering & Nuclear bei Swiss Re, betont, dass die globalen Investitionen in Kernenergie zunehmen. Die Absicherung von SMR birgt jedoch besondere Schwierigkeiten. Die Risiken reichen von Bau und Betrieb über Abfallmanagement bis hin zur öffentlichen Wahrnehmung – allesamt Bereiche, die tiefgehendes Fachwissen erfordern.
Rück- und Erstversicherer sind zwar bereits in klassische Kernkraftprojekte eingebunden, doch SMR bringen neue Komplexitäten mit sich. Die Branche arbeitet nun an maßgeschneiderten Lösungen, um diese Risiken abzufedern – und sieht darin auch eine Chance, von der Stabilität und den geringen Emissionen der Kernenergie zu profitieren.
Der Aufstieg der SMR unterstreicht das Potenzial der Kernkraft für die Energiewende – nicht nur zur Dekarbonisierung, sondern auch für die Stromversorgung von Rechenzentren. Mit wachsenden Investitionen müssen Versicherer sich anpassen, um die neuen Risiken abzudecken. Ohne passende Lösungen könnte die Ausweitung kleiner modularer Reaktoren trotz steigender Nachfrage Verzögerungen erfahren.






