Fürther Jugendrat fordert radikalen Wandel: Hilfe statt Strafe für junge Straftäter
Hellmut RudolphFürther Jugendrat fordert radikalen Wandel: Hilfe statt Strafe für junge Straftäter
Der Fürther Jugendrat setzt sich für grundlegende Reformen im Umgang des Justizsystems mit jugendlichen Straftätern ein. Ein neuer Antrag mit dem Titel „Hilfe statt Strafe – Gemeinsam gegen Gewalt“ wird am 1. Juli beraten. Darin fordert der Jugendrat eine frühere Einbindung der Jugendhilfe in Strafverfahren sowie eine stärkere Konzentration auf die Bekämpfung der Ursachen von Kriminalität, etwa Armut.
Der Vorstoß knüpft an aktuelle Debatten über Schwarzfahren im Öffentlichen Nahverkehr an. Zwar hatte man sich darauf verständigt, Menschen in prekären finanziellen Verhältnissen nicht mehr wegen Fahrkartenerschleichung zu belangen – doch dem Jugendrat geht dies nicht weit genug. Er plädiert für einen grundsätzlichen Kurswechsel: Statt Bestrafung brauche es Unterstützung für diejenigen, die aus wirtschaftlicher Not heraus straffällig werden.
Alexander Bohn, Vorsitzender des Jugendrats, betont, dass Strafen allein Armut nicht bekämpfen. Seine Stellvertreterin Julia Dierauf ergänzt, jugendliche Täter benötigten gezielte Hilfsangebote wie Streetwork oder mobile Jugendarbeit. Zudem schlägt der Rat eine zentrale Meldestelle für Opfer sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt vor.
Clemens Trompke, Vorstandsmitglied, warnt vor einer Zunahme von Gewalt, insbesondere sexualisierter und geschlechterbezogener Übergriffe. Der Jugendrat besteht darauf, dass die Jugendhilfe bereits früh in gerichtliche Verfahren eingebunden werden muss, um wirksam gegensteuern zu können.
Über den Antrag wird im kommenden Monat offiziell abgestimmt. Bei Annahme könnte dies zu mehr Unterstützung für junge Straftäter und einem besseren Schutz für Opfer führen. Der Jugendrat bleibt überzeugt: Kriminalität lässt sich eher durch soziale Maßnahmen als durch Bestrafung verringern.
