Erlangen verbietet Partyhits: Warum Skandal im Sperrbezirk jetzt tabu ist
Abraham HermighausenErlangen verbietet Partyhits: Warum Skandal im Sperrbezirk jetzt tabu ist
Die Stadtverwaltung Erlangen hat für das diesjährige Bergkirchweih-Volksfest eine Liste klassischer Partyhits verboten. Der Schritt folgt Beschwerden über sexistische Songtexte und unerwünschtes Verhalten bei früheren Veranstaltungen. Fast eine Million Besucher werden erwartet, doch die Veranstalter wollen die Feiern nun diskriminierungsfrei gestalten.
Anlass für die Entscheidung war der Vorfall einer Frau, die auf dem Fest von aggressiven Männern begrapscht worden war. Sie kritisierte zudem die Musikauswahl, die bei ihr ein Unwohlsein auslöste. Daraufhin prüften die Gleichstellungsbeauftragten der Grünen Lieder mit angeblich „problematischen“ Texten.
Der Stadtrat hatte bereits 2021 beschlossen, Titel mit „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ zu verurteilen. Diesmal wurden unter anderem Skandal im Sperrbezirk sowie Stücke von Künstlern wie Mickie Krause und Peter Wackel auf die schwarze Liste gesetzt. Wirte zeigen sich jedoch skeptisch gegenüber den neuen Regeln.
Peter Wackel, dessen Hit Joana die Zeile Du geile Sau enthält, behauptet, viele Künstler hätten mittlerweile „null Bock“, in Deutschland aufzutreten – wegen solcher Einschränkungen. Jürgen Thurnau, Frontmann der Spider Murphy Gang, verglich die Situation gar mit der Zensur in der DDR. Trotz der Kritik appelliert die Stadt an die Gastwirte, auf die gesperrten Lieder zu verzichten.
Das Bergkirchweih-Fest wird mit strengeren Richtlinien für Musik und Verhalten stattfinden. Die Behörden hoffen, damit ein sicheres Umfeld für alle Besucher zu schaffen. Die Debatte über Zensur und künstlerische Freiheit dürfte jedoch weitergehen.






