Deutschlands Atomausstieg 2011: Warum die Stromexporte trotzdem stiegen
Marliese MülichenDeutschlands Atomausstieg 2011: Warum die Stromexporte trotzdem stiegen
In der Woche nach der Katastrophe von Fukushima reagierte Deutschland mit einer raschen Entscheidung und stellte fast die Hälfte seiner Atomkraftkapazitäten ab. Kritiker warnten bald, das Land werde künftig stärker auf Atomstromimporte aus Nachbarländern wie Tschechien angewiesen sein. Diese Behauptungen entfachten eine Debatte über die deutsche Energiewende und deren Auswirkungen auf das europäische Stromnetz.
Die Abschaltung von 40 Prozent der Atomkraftwerke störte jedoch nicht den Stromhandel zwischen Deutschland und seinen Nachbarn. Trotz der Stilllegungen blieb das Land in den Jahren 2011, 2012 und 2013 ein Netto-Stromexporteur. Die deutschen Stromexporte stiegen nach dem Atomausstieg 2011 sogar deutlich an.
Ein Artikel im Spiegel vom September 2011 deutete an, Deutschland beziehe nun Atomstrom aus dem Ausland. Der Energieexperte Craig Morris wies dies als physikalisch unmöglich zurück und verwies auf die feste Produktionskapazität von Atomkraftwerken. Schon vor Fukushima hatte der Energiedatenanbieter Montel auf ein Überangebot an Stromerzeugungskapazitäten in Deutschland hingewiesen.
2013 zog Österreich eine eigene Konsequenz und verbot ab 2015 sämtliche Atomstromimporte. Dies geschah zu einer Zeit, in der Deutschland sein Stromnetz weiterhin ohne erhöhte Abhängigkeit von ausländischem Atomstrom im Gleichgewicht hielt.
Der deutsche Atomausstieg führte nicht zu einem Anstieg importierten Atomstroms. Das Land blieb Netto-Stromexporteur, während sich die Nachbarländer an die veränderte Energielandschaft anpassten. Die Diskussion zeigte, wie komplex Stromhandel und Energiepolitik in einem vernetzten europäischen Markt sind.






