Der betrunkene Schiedsrichter, der Bremens Kneipenkultur prägte
Ein skurriler Vorfall im Jahr 1975 hinterließ bleibende Spuren im deutschen Fußball – und in Bremens Kneipenkultur. Schiedsrichter Wolf-Dieter Ahlenfelder leitete ein Bundesliga-Spiel unter Alkoholeinfluss. Sein seltsames Verhalten auf dem Platz wurde legendär und prägte sogar lokale Traditionen.
Die Geschichte begann am 8. November 1975, als Ahlenfelder im Bremer Weser-Stadion erschien, nachdem er ein Bier mit Malteser-Likör getrunken hatte. Trotz Versuche, ihn nüchtern zu machen, war seine Leistung während des Spiels unberechenbar – ein Skandal, der ihn jahrelang verfolgte. Vor dem Anpfiff gab Ahlenfelder zu, das ungewöhnliche Getränk konsumiert zu haben. Mannschaftsbetreuer sollen ihn geduscht und mit Wick VapoRub eingerieben haben, um den Alkoholgeruch zu übertünchen. Doch sein Zustand war bald offensichtlich.
Auf dem Platz wurde sein Verhalten immer kurioser: Er zog Grimassen, streckte die Zunge heraus und knurrte Trainer an. Irgendwann pfiff er sogar die Halbzeit in der 32. Minute ab – später schob er die Schuld auf eine defekte Uhr. Werder Bremens Kapitän Horst-Dieter Höttges konfrontierte ihn vor dem Anstoß, da er spürte, dass etwas nicht stimmte.
Trotz des Eklats florierte Ahlenfelders Karriere zunächst. Er leitete 106 Bundesliga-Spiele und etablierte sich als einer der besten Schiedsrichter Deutschlands. Doch von jenem Abend in Bremen erholte sich sein Ruf nie ganz.
Fast zwei Jahrzehnte später, 1994, beendete eine weitere umstrittene Entscheidung – ein umstrittener Elfmeter im Spiel Bayern München gegen Werder Bremen – seine Zeit im Spitzenfußball. 1995 wurde er in unterklassige Ligen versetzt und beendete effektiv seine große Schiedsrichterlaufbahn. Seine späteren Jahre verbrachte er mit der Leitung von Regionalspielen, fernab der Öffentlichkeit.
Bremen hingegen nahm die bizarre Episode mit Humor auf. Eine Kneipe in der Nähe des Weser-Stadions wurde ihm zu Ehren Ahlenfelder getauft. Einheimische übernahmen zudem die Tradition, einen Ahlenfelder zu bestellen – ein Bier mit einem Schuss Malteser-Likör – und halten so die Erinnerung an die berüchtigte Nacht des Schiedsrichters auch 50 Jahre später wach.
Ahlenfelders Spiel von 1975 bleibt eines der seltsamsten Kapitel des Fußballs. Seine Karriere, obwohl zeitweise erfolgreich, endete im Schatten von Kontroversen. Heute lebt sein Name nicht in Rekordbüchern weiter, sondern in Bremens Kneipen und lokaler Folklore. Das Getränk, das er berühmt-berüchtigt machte, wird noch immer serviert – und sorgt dafür, dass die Geschichte nicht in Vergessenheit gerät.






