Büsum ehrt vergessene Frauen, die Geschichte schrieben – von Bertha Benz bis Gerda Taro
Marliese MülichenBüsum ehrt vergessene Frauen, die Geschichte schrieben – von Bertha Benz bis Gerda Taro
Eine kürzliche Lesung in Büsum würdigte die oft übersehenen Leistungen von Frauen, die die Geschichte prägten. Unter dem Titel "Die Frauen hinter den Männern: Ihre Leistungen und wie sie uns heute inspirieren" stand der Abend im Zeichen von Persönlichkeiten aus Politik, Fotografie und Ingenieurswesen. Live-Auftritte lokaler Musikerinnen und Musiker rundeten die Hommage ab, indem sie Geschichten von Widerstandskraft mit Blues- und Folkliedern verbanden.
Die Büsumer Landfrauen hatten die Veranstaltung organisiert und rückten dabei Frauen in den Fokus, deren Wirken bleibende Spuren hinterließ. Dazu zählte Bertha Benz, die 1888 Konventionen trotzte, indem sie das erste Automobil auf einer 105 Kilometer langen Fahrt steuerte. Die Mutter von fünf Kindern hatte Jahre zuvor ihr Mitgiftvermögen in die Werkstätten ihres Mannes Karl investiert und wurde so zu dessen unverzichtbarer Partnerin bei der Entwicklung des Autos.
Eine weitere zentrale Figur war die Pionierin der Kriegsfotografie, Gerda Taro. Gemeinsam mit Robert Capa dokumentierte sie den Spanischen Bürgerkrieg, bis sie 1937 mit nur 26 Jahren im Einsatz starb – überrollt von einem Panzer. Nach dem Zweiten Weltkrieg fast in Vergessenheit geraten, erlebt ihr Vermächtnis heute eine Renaissance. Für 2026 sind Ausstellungen in Leipzig geplant, die ihre Porträts zeigen und ihre Freundschaften mit Capa sowie dem Fotografen Fred Stein in Paris beleuchten.
Gewürdigt wurde auch Auguste Adenauer, eine führende Persönlichkeit im Katholischen Deutschen Frauenbund. Sie kämpfte gegen Straßengewalt und Hass, bevor sie 1944 nach der Denunziation ihres Mannes bei der Gestapo einen Suizidversuch mit einer Tablettenüberdosis unternahm. Ebenfalls geehrt wurde Jenny Marx, die als Sekretärin und Managerin des Haushalts an der Seite von Karl Marx wirkte – trotz finanzieller Not und der Erziehung von sieben Kindern.
Zwischen den Lesungen begleitete Tony Dwight den Abend mit amerikanischem Blues und Folk auf der Gitarre. Später betrat Sönke Dwenger die Bühne, sang "Chicago" und spielte Mundharmonika – ein musikalischer Tribute, der die historischen Reflexionen des Abends untermalte.
Die Veranstaltung in Büsum brachte diese Frauengeschichten einem neuen Publikum nahe und verband ihre damaligen Kämpfe mit heutiger Inspiration. Von Bertha Benz' ingenieurtechnischem Wagemut bis zu Gerda Taros furchtlosen Fotoreportagen werden ihre Leistungen heute neu gewürdigt. Die Mischung aus Geschichte und Livemusik sorgte dafür, dass ihr Erbe über die Buchseiten hinaus nachhallte.






