Bundesstatistikgesetz: Warum Forscher gegen die geplante Datenlöschung kämpfen
Jovan JohannBundesstatistikgesetz: Warum Forscher gegen die geplante Datenlöschung kämpfen
Am 27. April 2016 wird der Deutsche Bundestag über einen geplanten Änderungsantrag zum Bundesstatistikgesetz beraten. Die Neuregelung würde die Regierung verpflichten, Unternehmensidentifikationsnummern nach zehn Jahren zu löschen – eine Maßnahme, die bei Forschern und Ökonomen auf Kritik stößt.
Bisher nutzt die Bundesregierung im Rahmen des Projekts AFiD eine einheitliche Kennnummer für jedes Unternehmen, die in allen Erhebungen verwendet wird. Dies ermöglicht es Wissenschaftlern, Firmen über längere Zeiträume zu verfolgen und so langfristige wirtschaftliche Studien durchzuführen. Eine Löschung dieser Daten nach einem Jahrzehnt würde solche Forschungsarbeiten erschweren und die Analyse von Trends oder langfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen beeinträchtigen.
Theresia Bauer, Wissenschafts-, Forschungs- und Kunstministerin von Baden-Württemberg, warnte, dass die geplante Einschränkung zahlreiche wichtige Forschungsprojekte gefährden könnte. Auch der Verein für Socialpolitik, der 4.000 Ökonomen vertritt, lehnte den Vorschlag in einem offenen Brief ab. Die Wissenschaftler argumentieren, die Politik solle stattdessen die Qualität, Aktualität und Vollständigkeit amtlicher Statistiken verbessern.
Das Statistische Bundesamt schützt Unternehmensdaten bereits durch Anonymisierung und sichere Forschungszugänge. Kritiker halten die geplante Löschung daher für unnötig und schädlich für die wirtschaftliche Analyse.
Sollte das Gesetz verabschiedet werden, würde es die Speicherfrist für zusammengeführte Erhebungsdaten beim Statistischen Bundesamt begrenzen. Dies könnte die wirtschaftliche Forschung behindern und den Nutzen amtlicher Statistiken mindern. Die anstehende Debatte wird entscheiden, ob die Änderung vorankommt oder abgelehnt wird.






