Baden-Württemberg feiert seine Dialekte mit der Kampagne DialektLand – und bringt sie zurück in den Alltag
Abraham HermighausenBaden-Württemberg feiert seine Dialekte mit der Kampagne DialektLand – und bringt sie zurück in den Alltag
Eine neue Kampagne in Baden-Württemberg rückt die regionalen Dialekte in den Fokus. Unter dem Namen DialektLand will die Initiative die einzigartigen sprachlichen Traditionen in Deutschland feiern und bewahren. Von schwäbischen Dachböden bis zu Läden im Münsterland erhalten ortstypische Redewendungen frische Aufmerksamkeit – im Radio wie in den Schulen.
Die Landesregierung fördert Projekte, die Dialekte am Leben halten, besonders in ländlichen Regionen. Zwischen 2021 und 2026 führte der Ausschuss Ländlicher Raum Dialektunterricht an Grundschulen ein. Zudem wurden digitale Werkzeuge für Kulturvereine bereitgestellt, um jüngere Zielgruppen zu erreichen und Bräuche wie nie zuvor zu präsentieren.
Im Radio gingen die Moderatoren Rebekka de Buhr und Constantin Zöller mit gutem Beispiel voran: Sie luden Hörer ein, live ihre eigenen Dialektwörter zu teilen und machten die Ätherwellen so zur Brücke zwischen den Regionen. Die Aktion zeigte, dass Dialekte – oft als "schlechtes Deutsch" abgetan – in Wahrheit reiche, eigenständige Sprachen mit eigenen Regeln und Charme sind.
Alltagsausdrücke erzählen Geschichten: Im Schwäbischen sagt man etwa "I goh uff'n Speicher", wenn es auf den Dachboden geht. Im Münsterland fragt man "Is dat Geschäff los?", um zu wissen, ob ein Laden offen hat. Die optimistische Eifel-Einstellung "Et hätt noch immer jot jejange!" ("Bisher ist immer alles gut gegangen!") spiegelt gelassene Widerstandsfähigkeit wider. Andere Perlen sind das rätselhafte saarländische "Hoschd de Hohl?" ("Hast du das Loch?"), das praktische Mannheimer "Schdelle mer uns de Korb?" ("Sollen wir uns den Korb holen?") oder das appetitanregende Schweizerdeutsche "S'chunnt mer guet!" ("Das riecht gut!"). Selbst ein Schmutzfleck im Gesicht wird im Südhessischen farbig: "Do hoschd de Dreck am Steck!"
Der Einsatz für die Dialekte geht über Worte hinaus. Schulen vermitteln Kindern die regionale Sprache, digitale Angebote helfen Vereinen, Traditionen an neue Generationen weiterzugeben. Verantwortliche betonen, dass dies Identität und Gemeinschaftsgefühl stärkt – besonders auf dem Land. Für viele sind diese Ausdrücke keine Relikte, sondern lebendige Verbindungen zur Heimat.






