Ärzte blockieren digitale Patientenakten: Datenschutzrisiken überwiegen Fortschrittsglaube
Marliese MülichenÄrzte blockieren digitale Patientenakten: Datenschutzrisiken überwiegen Fortschrittsglaube
Deutschlands Vorstoß für digitale Patientenakten stößt auf Widerstand bei Ärzten
Die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) verläuft holprig: Bedenken hinsichtlich Datensicherheit und begrenzter praktischer Vorteile überlagern die geplante Digitalisierung. Gleichzeitig betont der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV), dass die Digitalisierung für die Zukunft des Gesundheitswesens unverzichtbar bleibe.
Eine aktuelle Umfrage offenbart tiefe Skepsis unter Ärzten gegenüber dem ePA-System. Rund 65 Prozent der Mediziner bewerten die Datenschutzmaßnahmen als "nicht sicher" oder "überhaupt nicht sicher". Weitere 72 Prozent stufen den Schutz der ärztlichen Schweigepflicht im Zusammenhang mit der ePA als "kritisch" oder "höchst kritisch" ein.
Der PKV erkennt diese Herausforderungen an, pocht jedoch auf Fortschritt. Gefordert wird eine stabile technische Infrastruktur mit minimalen Störungen, die in allen Regionen zuverlässig funktioniert. Besonders ländliche Gebiete kämpfen mit schlechter Breitbandanbindung und begrenzter Mobilfunkabdeckung, was die Digitalisierung bremst.
Um die Belastung für Arztpraxen zu verringern, schlägt der PKV praktische digitale Lösungen vor – etwa Online-Erstbewertungen oder vereinfachtes Terminmanagement. Zudem hebt der Verband die Rolle der Privatversicherer bei der Förderung der ambulanten Versorgung und der Gewinnung von Nachwuchsärzten hervor.
Wettbewerb und offener Zugang bleiben zentrale Prioritäten des PKV. Gefordert werden interoperable Plattformen, die allen Patienten unabhängig von ihrer Versicherungsart dienen. Der Verband drängt auf eine schnellere Umsetzung, ohne dabei Stabilität und Sicherheit zu gefährden.
Die Debatte um die ePA spiegelt die grundsätzliche Spannung zwischen Innovation und Vertrauen im Gesundheitswesen wider. Während Ärzte strengere Schutzmechanismen fordern, bevor sie digitale Akten akzeptieren, setzt der PKV auf zuverlässige, inklusive Systeme, die die Versorgung verbessern – ohne zusätzliche Komplexität zu schaffen.
ePA erzielt Fortschritte: 85 % der Praxen haben auf Dateien zugegriffen, 900.000 Nutzer nach einem Jahr
Die Einführung des ePA hat trotz anfänglicher Bedenken der Ärzte eine beträchtliche Akzeptanz erreicht. Die neuesten Berichte zeigen:
- 85 % der deutschen Arztpraxen haben seit der Einführung im Jahr 2025 auf Patientendateien zugegriffen.
- 900.000 versicherte Personen nutzen das System jetzt aktiv, wobei 25 Millionen elektronische Medikationslisten allein im Januar 2026 abgerufen wurden.
- Obwohl die Akzeptanz der Anbieter hoch ist, nutzen nur 14 % aller Versicherten das ePA regelmäßig, was auf anhaltende Barrieren für Patienten hinweist.